Das Kreuz mit dem Kreuz
Allgemein August 21st, 2010Immer mehr und immer jüngere Menschen klagen über Beschwerden im Bereich des Rückens. Es scheint, als würden sich Rückenschmerzen in Deutschland zur Volkskrankheit Nummer eins entwickeln. Doch woran liegt das und was kann man dagegen tun?
Liegt es an der mangelnden körperlichen Leibesertüchtigung? Hat man sich früher einfach seltener über Rückenbeschwerden beklagt? Spielen gesellschaftliche Muster eine Rolle, die es früher im Gegensatz zu heute nicht zuließen, dass man über seine leidende Rückseite sprach? War diese Körperzone, bzw. ihre Schmerzen also in gewisser Weise ein Tabuthema, obwohl er wenig Anzügliches an sich hatte?
„Rücken“ als Volkskrankheit
„Ich hab Rücken“ ist nicht nur ein wohl geformter Ausdruck, sondern vor allen Dingen auch ein weit verbreitetes Leiden – und noch dazu ein sehr lästiges. Sowohl das Individuum als auch der Arbeitgeber selbst ist nicht unbedingt gut auf Rückenschmerzen zu sprechen, weil es sich bei Rückenleiden doch fast um die häufigste Ursache von Arbeitsausfall handelt. Vor den Rückenschmerzen liegen in der Arbeitsunfähigkeits-Statistik lediglich die Erkrankungen der Atemwege. Das ist kein Wunder, denn viel mehr noch als früher und viel mehr als nie zuvor arbeitet der Mensch heute überwiegend im Sitzen. Im Büro, in der Bibliothek, vorm Computer, in Bus, Bahn und Auto, vor der Glotze: körperliche Ertüchtigung kommt nicht von alleine – und zwar heute weniger denn je. Und wenn sich der Mensch nicht bewegt, dann leidet darunter auch seine Haltung – und zwar nicht notwendiger Weise die geistige. Die unter Sportlehrern verbreitete Wendung vom gesunden Geiste im gesunden Körper geht auf ein falsches Zitat aus dem Lateinischen zurück. Der vom stumpfsinnigen Körperkult seiner Zeitgenossen genervte Satiriker Juvenal wünschte sich nämlich lediglich, dass dem so wäre. Ironischerweise ist es nun aber doch ausgerechnet die geistige Betätigung, welche die körperliche Haltung verdirbt. Denn geistige Betätigung ist ja letztlich auch die stumpfsinnigste Büroarbeit am Computer. Natürlich ist es nicht die Gehirnanstrengung, die den Körper zugrunde richtet, sondern die Sitzhaltung, die er bei geistiger Arbeit einnimmt. Besser als die zurückgelehnte Haltung auf dem Bürostuhl ist häufig jene, die man auf einem Sitzhocker einnimmt. Gesetzt den Fall natürlich, diese hat die korrekte Höhe. Wenn es hingegen bereits zu spät ist, sollte man sich schleunigst zum Arzt tragen lassen, denn man kann in vielen Stadien der erworbenen Rückenleiden durch Rückentraining seine Haltung verbessern und die Schmerzen lindern – präventiv oder auch zur Förderung der Rekonvaleszenz. So kann man also den Schmerzen vorbeugen oder sie vertreiben. Ein starker Rücken ist häufig eine Voraussetzung für ein angenehmeres Leben. Und mit einem trainierten Rücken kann man sich nach der sportlichen Einheit auch gerne getrost vor den Fernseher fläzen.